Glauben spüren, Weite wagen

"Ist das wieder da oder war das nie weg?


- Vortrag zum Thema Antisemitismus in den Sozialen Medien -

Vor vielen interessierten Eltern sprach Tom Lammers, Präventionsbeauftragter von der Polizei Cloppenburg, zum Thema politisch motivierte Kriminalität, insbesondere zum Antisemitismus und Rassismus in den Sozialen Medien. Dass das Thema heute hochaktuell ist, zeige sich in Zahlen: Seit Beginn der Aufzeichnung seien die antisemitischen Straftaten auf einem Höchststand. Solches Gedankengut werde vor allem auf Plattformen wie TikTok an junge Menschen verbreitet. Die Zielgruppe für diese Inhalte in den Sozialen Medien seien schon sehr junge Menschen ab 10 Jahren.
Dass TikTok eine strategische Möglichkeit für die Verbreitung von Inhalten an junge Menschen ist, wird in den Statistiken offenbar. Ein Großteil der 13-20 jährigen verbringt im Durchschnitt sechs Stunden pro Tag auf TikTok. Zudem diene TikTok als primäre Informationsquelle für die Jugendlichen. Antisemitische und rassistische Inhalte würden dort oft zunächst als humorvoll verbreitet und dann von den Jugendlichen geteilt. So landen antisemitische Memes und Sprüche in Whatsapp-Gruppen, aber auch wieder im Sprachgebrauch vieler junger Menschen. "Das Sagbare ändert sich", so schildert Herr Lammers seinen Eindruck. Auch fehle es in vielen Momenten an der Courage, solche Sprüche direkt als unangebracht und verhetzend zu enttarnen. Schnell werde das Handy rausgeholt und gefilmt. Eine Normalisierung diskriminierender Aussagen dürfe von uns als Gesellschaft so nicht hingenommen werden. Mitunter lasse sich solches Gedankengut für den uninformierten Nutzer gar nicht als solches identifizieren. Antisemitische Codes, wie ein Trinkpäckchen-Emojii (angelehnt an das englische Wort "juice", das gleichklingend mit dem Begriff "jews" ist), würden in Kommentaren unter solchen Kurzvideos genutzt.
Die Sozialen Medien prägen junge Menschen und die Gesellschaft insgesamt. Und gerade in jungen Jahren, wenn der erste Kontakt mit Social Media da ist, sind Jugendliche empfänglich und verführbar - auch für falsche Botschaften. Um die jungen Menschen in ihrer Entwicklung und in ihrem Urteilsvermögen gut begleiten zu können, sei es essentiell, als Gesprächspartner verfügbar zu sein. Auch die eigene Vorbildfunktion der Erwachsenen stellt Lammers noch einmal deutlich als wichtigen Faktor heraus. Der Abend war für alle Anwesenden sehr informativ und interessant. Aus einem Vortrag von 45 Minuten wurden schnell 90 - begründet durch zahlreiche Nachfragen, Bitten um Einschätzungen und die Diskussionsfreude der anwesenden Eltern und Kollegen.
Die Veranstaltung bettet sich in das aktuelle Schuljahr ein, in dem unter dem Motto "Verantwortung aus Erinnerung" an die unter den Nationalsozialisten verfolgten Juden in Cloppenburg erinnert wird. Anlass ist der Menora-Leuchter, den die Schule aktuell beherbergt und am 09. November mit einer Gedenkveranstaltung um 17 Uhr in der St. Joseph-Kirche an das CAG weitergibt.
Gina-Lisa Geerken
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