Glauben spüren, Weite wagen

"Wir zeigen Gesicht!"


- Andacht in Erinnerung an die jüdischen Familien in Cloppenburg -

Eine volle Kirche, absolute Stille. In einer Gedenkveranstaltung stimmt das ULF die Jahrgänge 6-10 auf die anstehende Übergabe des Menora-Leuchters ein; eine Veranstaltung, die insbesondere die Ereignisse der Reichspogromnacht 1938 in den Blick nimmt. In einem Video sind sämtliche Stolpersteine der Stadt Cloppenburg zu sehen, dazu ihre Namen. Ein Name wird dabei in der Andacht besonders in den Blick genommen: die Familie Simon.
Die Simons lebten hier an der Osterstraße und ihr Leben änderte sich von Grund auf in dieser Nacht. Ruth Simon, eine der Töchter, die durch die Kindertransporte gerettet werden konnte und in den USA lebt, berichtet in einem Video, wie sie die Ereignisse des Tages selbst erlebt hat. Sie stellt fest: "Das war der letzte Tag, an dem ich meinen Vater gesehen habe." Das Schicksal der Familie wird erzählt, von der Rettung der drei ältesten Töchter und der Ermordung der Eltern und der jüngsten Tochter. Die Erinnerung an die Familie Simon ist essentiell und doch darf es dabei nicht stehen bleiben.
Wir sind verantwortlich, gegen antisemitische Haltungen und diskriminierende Tendenzen vorzugehen. "Wir zeigen Gesicht - Nie wieder ist jetzt" steht in großen Lettern auf einem Spiegel, der auf die anwesende Menge gerichtet ist. Dieses Symbol hebt hervor, dass jeder einzelne in seiner Courage gefragt ist. Atmosphärisch wird die Veranstaltung durch die Musik, insbesondere durch den Auftritt des Schulchores unter der Leitung von Niko Bäumer, abgerundet. Der Chor sang sehr treffend und sehr berührend den Song von "Hallo Oma" von Marlo Grosshardt ("Hallo Oma, ich wollte dich nicht stören (...) Du bist jetzt auch schon 'ne ganze Weile fort, doch ich wünsche mir ein letztes Mal Dein weises Ohr, denn wir, wir wählen grade wieder Nazis in den Rat und sich zu wehren, das ist aktuell sehr hart.").
Die Andacht reiht sich in unser aktuelles Motto "Verantwortung aus Erinnerung" ein. Am 9. November findet um 17 Uhr eine Gedenkveranstaltung in der St. Joseph-Kirche statt, bei der der Menora-Leuchter an die nächste Cloppenburger Schule weitergereicht wird. Hierzu sind alle herzlich eingeladen.
Gina-Lisa Geerken
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