Schulstiftung St. Benedikt

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Hauptgebäude (1898-1998)
Hauptgebäude (1898-1998)
Haupteingang um 1960
Haupteingang um 1960

Die Geschichte der Schule - ein Überblick

Auf Initiative des weitsichtigen  Kaplans Dr. Carl Ludwig Niemann (* 18.01.1830 in Bakum, + 02.12.1895 in Cappeln), der sich in der Pfarre St. Andreas  sehr erfolgreich mit dem Schulwesen beschäftigte, wurde Anfang Mai 1878 in der Stadt Cloppenburg und dem Umland für die Einrichtung einer „höheren Töchterschule" geworben und Geld gesammelt, nachdem Vorbesprechungen und Verhandlungen sowohl mit der Schulabteilung der Staatsregierung des Großherzogtums in Oldenburg als auch mit dem 1830/31 eingerichteten Offizialat in Vechta sowie  mit der Schwesternkongregation U. L. Frau in Vechta erfolgt waren. In die Unterschriftslisten, die ab dem 08. Mai 1878 in Cloppenburg und dem Umland verbreitet wurden, trugen sich mehrere hundert Cloppenburger Bürger und Landwirte aus den Ortschaften nahe der Stadt ein. Durch ihre Unterschrift und einen angefügten Spendenbetrag verpflichteten sie sich, der Einrichtung dieser Töchterschule auch vom allgemeinen Bürgerwillen her Nachdruck zu verleihen und ihr eine finanzielle Grundlage zu verschaffen.

 

Betrachtet man heute diese Spendenlisten, so ist auffällig, dass eine große Resonanz in der Bevölkerung vorhanden war und viele Personen die Einrichtung einer Privatschule für Mädchen forderten.


Am 23. Mai schloss Dr. Niemann mit der Schwesternschaft U. L. Frau einen Vertrag über die Einrichtung einer Töchterschule. Hierin verpflichtete er sich, den Schwestern für den Unterricht an einer Töchterschule in Cloppenburg 1050 Mark im Quartal zu entrichten. Ebenfalls wurden den Schwestern freie Wohnung und ein Garten für die Zeit ihres Wirkens zugesichert. Die Reinigung und die Heizung der Schule musste von kirchlicher Seite her übernommen werden. Die Herbstferien wurden vom 01. September bis zum 15. Oktober festgelegt  sowie  acht- beziehungsweise vierzehntägige Osterferien in Aussicht gestellt. In den sechswöchigen Herbstferien mussten vermutlich nicht wenige Kinder in der Ernte mitarbeiten.


Bis heute sind die zwei Verträge und die darin vorgenommenen Korrekturen erhalten. Der eine Vertrag befindet sich im Pfarrarchiv von St. Andreas, der andere im Archiv des Mutterhauses der Schwestern U. L. Frau in Vechta Marienhain. Diese Verträge markieren den eigentlichen Beginn der Privatschule für Mädchen in Cloppenburg.


Aus einem weiteren Schreiben, datiert vom 28.Mai 1878, geht hervor, dass drei Schwestern am 24. Mai, also einen Tag nach der Unterzeichnung des Vertrages zwischen Kaplan Dr. Niemann und der Schwesternschaft U. L. Frau, in Cloppenburg in der Nähe der St. Andreas Pfarrkirche Quartier bezogen haben. Wörtlich lautet es: „Dem Hochwürdigsten Bischöflichen Münsterschen Officialat erlaubt sich die unterzeichnete Vorsteherin des hiesigen Pensionats der Schwestern U. L. Frau [Sr. M. Petra]  unterthänigst anzuzeigen, dass am 24. d.(es) M.(onates) drei Schwestern von hier nach Cloppenburg abgegangen sind, um dort eine Privatschule zu eröffnen."  Vermutlich schon bald nach der Ankunft werden die Schwestern M(aria) Felicia, Schwester M. Loyola und Schwester M. Rosa mit dem Unterricht von 21 Schülerinnen in zwei Klassenstufen begonnen haben. Es existiert noch die erste Namensliste sowie ein Photo der ersten Schülerinnen, die in Räumen des ehemaligen Gesellenhauses neben der St. Andreas Pfarrkirche unterrichtet wurden.


Bemerkenswert ist die Tatsache, dass es Kaplan Dr. Niemann gelungen ist, trotz des herrschenden Kulturkampfes eine Ordensschule zu gründen, obwohl dies gesetzlich durch das Jesuitengesetz (1872) und noch einschränkender durch das preußische Ordensgesetz (1875) verboten war und auch die Oldenburger Regierung nach der Reichsgründung von 1871 peinlich darauf achtete, diese Vorschriften einzuhalten, um nicht mit dem starken Preußen in Schwierigkeiten zu geraten. Dennoch hatte auch die Oldenburger Staatsregierung ein reges Interesse daran, dass Schulen gegründet wurden, die auch den Landeskindern eine verbesserte Bildung gewährte. 1877 wurde das in Coesfeld von den Ordensschwestern U.L.F. betriebene Kloster aufgelöst. Viele Schwestern mussten aus dem preußischen Coesfeld  fliehen, ein Großteil der Schwestern, etwa 200, gingen in die USA, ein kleinerer Teil, etwa 30 konnten in der seit 1859 bestehenden Klosterniederlassung in Vechta aufgenommen werden, was der Großherzog in Oldenburg duldete. Deshalb war es Kaplan Dr. Niemann nun 1878 möglich, Coesfelder Schwestern aus Vechta für eine Privatschule in Cloppenburg anzustellen, ohne gegen bestehende Gesetze zu verstoßen.


1887 erwarb dann der Pfarrer Bernhard Grobmeyer das „Bothesche Anwesen" an der Osterstraße, wohin die Schwestern umzogen, da die Schülerinnenzahl erheblich gestiegen war. 1889 gelangte das Grundstück in den Besitz der Schwestern. Diese Schule wurde „St. Josefs - Hain" genannt. Im „Pensionat" wurden nun auch Schülerinnen als Interne beköstigt. Daneben wurden auch Externe unterrichtet. An der Osterstraße 45 entstanden sehr unterschiedliche Bildungseinrichtungen. Zunächst wandelte sich die höhere Töchterschule, vermutlich ab 1878 eine gehobene Volksschule, in ein Lyzeum, dann in eine „private Oberschule für Mädchen. Diese Einrichtung wurde unter den Nationalsozialisten 1939 geschlossen. Bereits 1945 wurde die Schule als neusprachliches Gymnasium wieder eröffnet und ermöglichte nun als Schulabschluss das Abitur. Mit der Bezeichnung „Liebfrauenschule" besteht diese Schule heute fort.


Daneben gab es von 1881 bis 1905 ein Lehrerinnenseminar, die Präparandie für diese Einrichtung blieb bis 1924 erhalten. Ebenfalls existierte von 1898 bis 1936 eine Grundschule. Ein sehr weites Spektrum nahm der Bereich der Hauswirtschaft ein. Zwischen 1923 und 1971 wurden unzählige Schülerinnen in den hauswirtschaftlichen Einrichtungen ausgebildet. Angegliedert an diese Schulform war ebenfalls ein Kindergarten, der 1932 ins Leben gerufen wurde und unter anderer Trägerschaft bis heute besteht. Ab 1947 wurde ein Mittelschulzweig eingerichtet. Aus dieser Schulinstitution ging die „Marienschule" hervor.


Blickt der Betrachter auf die 125 jährige Schulgeschichte, so bleibt besonders auch der Gründungsakt für unsere Gegenwart bedeutsam. Damals haben Vertreter der katholischen Kirche zusammen mit Bauern und Bürgern Cloppenburgs und mit einigen mutigen und vom christlichen Glauben beseelten Ordensschwestern die Liebfrauenschule in Cloppenburg auf den Weg gebracht, die auch heute noch aufgrund ihrer christlichen Ausrichtung von Erziehung und Bildung den Vorstellungen und Erwartungen eines großen Teiles der Bevölkerung im Landkreis Cloppenburg entspricht.

 
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