Glauben spüren, Weite wagen

"Frei Schnauze" im Kulturbahnhof


- Improvisationstheater von ULF und GPZ Cloppenburg zeigt Stärken und Schwächen der Inklusion auf -

Kurz vor den Osterferien brachte das Kooperationsprojekt der Liebfrauenschule mit dem Gemeindepsychatrischen Zentrum Cloppenburg (GPZ) das improvisierte Stück "Frei Schnauze" unter der künstlerischen Leitung von Johannes Wilhelm auf die Bühne. Ziel der Kooperation war es, durch Teilhabe am kulturellen Leben von Menschen mit und ohne Assistenzbedarf, Grenzen aufzuzeigen und Chancen aufzuzeigen und gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen. Im vollbesetzten Lokschuppen des Kulturbahnhofes wartete nach den Begrüßungsworten von Margarthe Gortay (GPZ) und Dr. Norbert Dörner (ULF) das gespannte Publikum.

Zu sehen gab es eine surreale Szene, denn die Jungschauspieler des WPK "Darstellendes Spiel" im Jahgang 9 von Markus Stindt mimten ein Publikum, das auf ein inklusives Theaterstück wartete. Eine Spiegelung der Situation.
Dem Direktor des Hauses schwant nichts Gutes; seine Hauptdarsteller verspäten sich, die Aufführung ist in Gefahr. Derweil machen sich im Zuschauerraum allerlei komische Gestalten breit. Alle wollen ein Theaterstück besuchen, haben dabei aber ganz unterschiedliche Antriebe. Moralische Philistertum, Opportunismus, Zwang usw.
Kiwi bringt mit der Suche nach ihrer Freundin Bettina, einem Huhn, schließlich alles komplett durcheinander.
Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass es am heutigen Abend kein inklusives Theaterstück geben wird. Den Grund dafür nennt der Theaterdirektor. Viele Hauptdarsteller haben Angst. Angst zu versagen, Angst nicht gut genug zu sein, Angst mit den anderen nicht mithalten zu können.
An dieser Stelle wird deutlich, wie schwierig Inklusion trotz all der guten Vorsätze im Konkreten sein kann. Wenn keine wirkliche Offenheit vorherrscht, findet auch kein wirklicher Austausch und ein Miteinander statt, sondern es bleibt ein Nebeneinander.
Am Ende bereitet Boris, der als einziger halbwegs den Durchblick behalten hat, ein versöhnliches Ende. "Jeder hat irgendwie 'ne Macke. Das ist doch gut, dann wird's bunt. Und los - jetzt suchen wir Bettina, das Huhn." Auf der Bühne hat Inklusion und Akzeptanz dann doch geklappt.

In der Vorbereitungszeit haben sich die beiden Gruppen regelmäßig getroffen und jeweils eigene Rollen entworfen. Ausgangspunkt waren individuell angefertigte Pappnasen, die bestimmte Charakterzüge zum Ausdruck bringen sollten. So entwickelten sich nach und nach die Rollen von Mike, dem arroganten Türsteher, Gertrud, der dauermüden Schülerin, oder Frau Schulze-Weingarten, der kulturbeflissenen Besserwisserin.
Die Schwierigkeiten der Inklusion machten sich während der Monate langen Vorbereitung bemerkbar. Genau das wollte das improvisierte Stück aufzeigen. Gelebte Inklusion benötigt Offenheit und Vertrauen auf beiden Seiten.
Mit dieser wichtigen Erkenntnis wurde das "echte" Publikum in den Abend entlassen. Ein nachdenklicher, aber auch positver Schluss dieses unterhaltsamen Stücks, das am Ende wohlverdienten Applaus bekam.

Am Projet beteiltigt waren:
Leon Grafe - Mike, der Türsteher
Johannes Hillenbrand - Manuel, der Hausmeister
Simon Hoffmeyer - Herr Constantin, der Direktor
Britta Janßen - Kiwi, die Huhnliebhaberin
Frederike Brinkhus - Frau Schulze-Weingarten und
Carolin Hinrichs - Frau von und zu Lindberg, die Kulturliebhaber
Sophie Hinrichs - Ute und
Jana Kathmann - Gertrud, die müden Schülerinnen
Antonia Hoppe - Jessica und
Annika Stuppin - Sina, die Ghettogirls
Hanna Niemöller - Konstanze, die Anhängliche
Sophia Rüve - Marie, die Trauernde
Lukas Bogun - Dave und
Sophia Hempen - Angelina, die Dauergenervten
Carsten - Boris, der verspätete Schauspieler
sowie Franziska Drees und Noah Ellmann im Backstage.