Schulstiftung St. Benedikt

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Greta in Afrika


Abiturientin Greta lebt das Schulmotto "Weite wagen" in Uganda

Im Frühsommer das Abitur "gebaut", jetzt in Uganda. So schnell hat sich der Alltag von Greta Berges, Abiturientin des Jahrgangs 2017, verändert. Über ihre Eindrücke und Erlebnisse berichtet sie hier:

Mein Plan nach dem Abitur stand schon lange fest: Einen Freiwilligendienst in Ostafrika leisten, bevor es ans Studieren geht. Nach einigen Recherchen und Bewerbungsverfahren habe ich mich dann für den missionarischen Dienst auf Zeit (MaZ) der Comboni Missionare entschieden, weil mir insbesondere die familiäre Atmosphäre und die intensive Begleitung des Einsatzes sehr gefallen haben, und nach einer spannenden und abwechslungsreichen Vorbereitungszeit, lebe ich nun schon seit zwei Monaten in meiner neuen Heimat Alenga (Uganda).

Alenga ist ein sehr kleines Dorf, das in der Mitte Ugandas nahe den Großstädten Lira und Gulu liegt. In Alenga selbst gibt es eine aktive katholische Kirchengemeinde sowie ein großes Kirchengebäude und ein sogenanntes Center, in dem man wichtigste Einkäufe erledigen kann, wie Eier, Öl, Mehl oder auch Handyguthaben. Außerdem findet dort jeden Mittwoch ein Markt statt, der zum einen zum Verkauf von lokalen Lebensmitteln, Kleidung und anderen Kleinigkeiten dient, zum anderen zum Treffen und Spaß haben mit Freunden und Bekannten.

Außer dem Center gibt es eine relativ große Krankenstation, die ca. 10.000 Patienten versorgt und über eine ambulante und stationäre Versorgung sowie über eine besonders angesehene Geburtenstation verfügt. Meine Mitfreiwillige Francesca hilft dort mit.

Momentan gibt es eine staatliche Primary School, für die die Schulpflicht in Uganda besteht. Sie ähnelt unserer Grundschule, dauert allerdings sieben Jahre. Außerdem gibt es eine Berufsschule für eine Näh- und Strickausbildung. Geplant sind im kommenden Jahr eine Secondary School und die Erweiterung der Berufsschule um die Ausbildung zum Tischler.

Meine Einsatzstelle ist die katholische Berufsschule („Father Egidio Vocational Training Center Alenga“), deren Leitfaden „Earning for the future“ ist. Anhand dieses Mottos werden die momentan 30 Mädchen, die normalerweise zwischen 15 und 18 Jahre alt sind, zwei Jahre lang im Internat erzogen, gebildet und trainiert. Ihr Stundenplan besteht hauptsächlich aus dem praktischen und theoretischen Näh-, bzw. Strickunterricht. Außerhalb dessen unterrichte ich die Mädchen in Englisch und Computerkursen sowie Sport, Debatte und einer kleinen Theaterstunde, die ich gemeinsam mit Francesca auf die Beine gestellt habe.

Während meiner Arbeit mit den Mädchen hier fällt mir immer wieder auf, wie unterschiedlich nicht nur die Lebensstandards, sondern insbesondere auch die Chancen auf Bildung und auf Gleichheit zwischen den Geschlechtern auf der Welt sind.

Ich habe es zuvor als selbstverständlich angesehen, dass ich die Möglichkeit auf Bildung habe. Nun weiß ich das wertzuschätzen. In den ärmeren Gebieten Ugandas kommt es oft vor, dass Eltern sich die Finanzierung der Bildung ihrer Kinder nicht leisten können, zum einen, weil lediglich die staatlichen Primary Schools fast kostenfrei sind und zum anderen, weil durch mangelnde Aufklärungsarbeit und der vermehrt vorkommenden Polygamie oft viele Kinder versorgt werden müssen. Deshalb denken einige Eltern praktisch im Rahmen ihrer Subsistenzwirtschaft: Wenn sie ihre Kinder nicht in die Schule schicken, können sie Geld einsparen und gewinnen eine Arbeitskraft auf dem Feld. Besonders gefährlich ist dabei die Situation für Mädchen, da sie den Jungen hier traditionell untergeordnet sind und außerdem einen Gewinn an Kühen für die Familie bringen, wenn sie verheiratet werden. So kommt es tragischer Weise vor, dass minderjährige Mädchen an einen für die Eltern passend erscheinenden Mann verheiratet werden, schnell viele Kinder bekommen und plötzlich mit den Kindern auf sich allein gestellt sind, weil der Mann sich eine neue, jüngere Frau gesucht hat.

Das ist natürlich nicht immer und überall der Fall und wir haben schon viele Beispiele glücklicher und ausgeglichener Ehen bei Freunden erleben dürfen.

Dennoch ist der Leitfaden der Schule meiner Meinung nach aufgrund dieser Problematik besonders treffend und hilfreich für die Schülerinnen, deren familiärer Hintergrund oft für mich erschreckend ist.

Mir macht das Unterrichten und das Teilhaben am Leben der Mädchen ausgesprochene Freude und auch ich lerne hier jeden Tag dazu. Neben den Unterrichtsstunden verbringen wir auch sonst viel Zeit mit den Schülerinnen und helfen ihnen beispielsweise beim Feuerholz sammeln, sticken und spielen gemeinsam oder schauen einen Film an.

Wenn Francesca und ich nicht arbeiten, verbringen wir unsere Freizeit beispielsweise mit Sticken und Nähen oder mit der Jugendgruppe Alengas, in die wir schon zu Beginn herzlich aufgenommen wurden. Die Jugend trifft sich fast täglich, um gemeinsam zu singen, im eigenen Feld zu arbeiten, wo wir momentan Peperoni anpflanzen, die dann verkauft werden soll oder auch um Fußball zu spielen.

Außerdem sind wir für dieses Jahr natürlich Teil der Gemeinschaft der Comboni Missionare und der Schwestern hier im Alenga Parish. Mich begeistert hier immer wieder, auf welche Weise die Menschen ihren Glauben leben und feiern. Der Glaube ist fest verwurzelter Bestandteil des Lebens von der Geburt an und man spürt insbesondere während der Messe, mit welch tiefer Dankbarkeit, Hoffnung und Freude die Gemeinde den Gottesdienst genießt und mitgestaltet. Dabei wird energievoll gesungen, geklatscht, getrommelt und leidenschaftlich getanzt. Auch wir haben bereits die Möglichkeit gehabt, mit den Schülerinnen gemeinsam in einer Messe zu tanzen, was ein besonders schöner Moment des Zusammenseins war.

Das Motto von MaZ lautet: mitarbeiten, mitleben und mitbeten, also mittendrin statt nur dabei und genau auf diese Weise sammeln wir momentan tolle und spannende Erfahrungen, bekommen jeden Tag neue Eindrücke und sind begeistert davon, ein Jahr lang Teil der Gemeinschaft hier sein zu dürfen und die Menschen, ihre Kultur und ihren Glauben so nah kennenzulernen.

Wer Lust hat über mein Leben und meine Arbeit hier auf dem Laufenden zu bleiben, kann gerne einen Blick auf meinen Blog werfen unter www.cosamaz.org/maz-greta-berges/.

Weitere Informationen zum Informationstag, unserem Freiwilligenprogramm, unseren Projekten und viele Erfahrungsberichte finden Sie auf unserem Blog www.cosamaz.org.


Wir wünschen dir, Greta, weiterhin viel Freude und tolle Eindrücke.
Schöne Grüße vom ULF aus dem "sonnigen" Cloppenburg nach Uganda.

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